Was ist Aberglaube

Das Mittelalter wird allgemein auch als das dunkle Zeitalter eingestuft. Diese Einschätzung beruht auf den Vorstellungen der Neuzeit, genauer gesagt der Epoche der Aufklärung, welche die Menschen zur rationalen und logischen Wahrnehmung von Naturphänomenen leiten wollte. Der im 18. Jahrhundert noch weit verbreitete Aberglaube sollte durch eine wissenschaftliche Herangehensweise hinsichtlich der Erscheinungen des Lebens und der Natur abgelöst werden.

Der Begriff Aberglaube ist erstmals im 15. Jahrhundert, und somit im Spätmittalter, in Schriften dokumentiert. Mit Aberglauben wurde eine Geisteshaltung bezeichnet, die von der christlichen Glaubenslehre abweicht, falsche Glaubensinhalte vermittelt und diese in ritueller Weise zelebriert. Vor allem seitens des Klerus wurde er als verwerflich, heidnisch und ketzerisch definiert.

Die Christianisierung der Bevölkerung

Europas war im Spätmittelalter zwar nahezu abgeschlossen, doch einige heidnische Vorstellungen und Rituale hielten sich im Volksglauben. Der Glaube an heilige Bäume und heilige Haine, das Sprechen von Zauberformeln, um entweder Schlechtes abzuwenden oder Gutes zu bewirken, sind hier beispielhaft zu nennen. Auch Amulette wurden wegen ihrer vermeintlichen Wirkung gerne getragen. Die Träger der Amulette sollten nicht nur gegen Schicksalsschläge geschützt sein, sondern das Glück sollte durch sie herbeigeführt werden.

Pentagramm – Ein okkultsches Zeichen

Pentagramm – Ein okkultsches Zeichen

Okkultismus und Spiritismus waren im Mittelalter weit verbreitet und wurden von den Menschen des Mittelalters in ihren Alltag integriert. Der Okkultismus etwa geht davon aus, dass neben den mit den Sinnen wahrnehmbaren Phänomen der Natur auch Phänomene vorhanden sind, die okkult, d.h. im Verborgenen vorhanden sind. Diese okkulten Erscheinungen sind also mit den Sinnen nicht wahrnehmbar und zeigen sich nur in ihren Effekten. Hierzu zählen beispielsweise der Magnetismus, die Astrologie oder auch die Wirkungen von Heilkräutern. Mithilfe des Spiritismus versuchte der Mensch des Mittelalters Kontakt zu Verstorbenen aufzunehmen oder eine Zukunftsprognose zu erstellen. Grundlage des Spiritismus war der Glaube an Geister und Dämonen, eines der Rituale war etwa das Pendeln.

Abergläubisches Verhalten ist auch heute in einer hoch technisierten Welt noch zu beobachten. Trotz der fortschreitenden Erkenntnisse der Wissenschaft und insbesondere der Naturwissenschaften neigt der Mensch anscheinend immer noch dazu, falsche Verknüpfungen von Ursache und Wirkung zu bewerkstelligen, wenn Ereignisse seinen persönlichen Erlebnisbereich berühren. Die Annahme, gleichzeitige Ereignisse würden in einem kausalen Zusammenhang stehen, ist die Grundlage dieser Haltung. Abergläubische Reaktionen können auf diese Weise schnell entstehen. Beispielhaft für eine solche falsche Interpretation von Ursache und Wirkung ist die Annahme, dass man immer dann Glück hat, wenn man ein bestimmtes Kleidungsstück trägt.

Es haben sich darüber hinaus auch abergläubische Verhaltensweisen im Alltagsleben integriert die nur noch über die Rituale ausgelebt werden ansonsten aber sinnentleert sind. Dazu zählt etwa der Glaube, dass das Verschütten von Salz Unglück bringt und man diesem Unglück entgegenwirken kann, indem man drei Mal etwas von dem zuvor verschütteten Salz über die linke Schulter wirft. Für die Menschen des Mittelalters bedeutete es tatsächlich ein Unglück, denn Gewürze wie auch Salz waren sehr teuer und für die Mehrheit der Bevölkerung bedeutete dies, eine unnütze Ausgabe tätigen zu müssen.

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