Aberglaube im Mittelalter

Das Wort “Aberglaube” bezeichnet im Allgemeinen abweichende Ansichten vom vorherrschenden Glauben. Im Mittelalter waren die meisten Menschen in Europa christlichen und bis zur Reformation katholischen Glaubens. Somit bezeichnet Aberglaube im christlichen Glauben alle Abweichungen von der christlichen Lehre sowie von der Norm abweichende religiöse Praktiken.

Die Menschen im Mittelalter konnten viele Phänomene die uns heutzutage die Wissenschaft plausibel erklären kann, nicht verstehen. Deshalb glaubten sie an höhere Mächte, auf die sie mittels verschiedener Rituale Einfluss zu nehmen versuchten. Mit Amuletten, magischen Zeichen, Zauberformeln und verschiedenen Kräutern versuchten die mittelalterlichen Menschen, das vermeintlich Böse um sich herum abzuwehren. Besonders in schwierigen Zeiten wie der Kleinen Eiszeit oder bei Naturkatastrophen traten solche Rituale vermehrt auf. Sie waren nicht ungewöhnlich, denn obgleich die Menschen christianisiert waren, war eine Art Naturglaube, das Erbe der Heiden, tief in der Gesellschaft verwurzelt. Natürlich galt auch diese Art von Zaubern in der christlichen Lehre als Aberglauben. Da die Menschen jedoch nichts Schlimmes anrichteten, solange sie in die Kirche gingen und deren Lehren nicht infrage stellte, ließ man die Menschen gewähren. Die Überbleibsel der heidnischen Naturreligion der Heiden hatten keinen negativen Einfluss auf die mittelalterlichen Menschen.

Im Mittelalter war Aberglaube weit verbreitet

Im Mittelalter war Aberglaube weit verbreitet

Allerdings glaubten die Menschen ebenso an die böse Macht von Hexen. Dabei unterschieden sie sehr genau zwischen dem allgemein üblichen guten Zauber und dem bösen der Hexen, der Unheil verhieß. Der gute Zauber galt als ungefährlich, mit ihm versuchte man, die höheren Mächte gnädig zu stimmen und sich Vorteile zu verschaffen. Böser Zauber hingegen galt als eine große Gefahr und sehr mächtig. Die Angst, von einem solchen Fluch belegt zu werden war groß, denn dies konnte alle nur denkbaren Konsequenzen haben, vom Tod eines geliebten Menschen über schlechte Ernten bis hin zur Unfruchtbarkeit.

 

Der Hexerei wurde die Schuld an Missernten, Viehsterben und Naturkatastrophen gegeben, das erklärt auch, warum gerade zu schwierigen Zeiten besonders viele Hexenprozesse und Hinrichtungen von vermeintlichen Hexen und Zauberern stattfanden. Den Übeltätern wurde allerdings zumeist durch die weltlichen Herrscher der Prozess gemacht. Sie wurden des Aberglaubens und des Schadenszaubers bezichtigt. Die Zustände im mittelalterlichen Europa förderten den Glauben an das Böse. Kriege wie der 30-jährige Krieg, schwierige klimatische Bedingungen und eine schlimme Pestepidemie, die fast die Hälfte der Bevölkerung das Leben kostete, ¬verursachten Angst und Schrecken in der Bevölkerung. Im Laufe des Mittelalters wurde die Hexerei mehr und mehr als Ketzerei und Aberglaube angesehen, aber erst an der Schwelle zur frühen Neuzeit begann auch die christliche Kirche mit Inquisitionsprozessen. Dafür folgte nun aber eine massive Prozesswelle, praktisch jeder konnte der Hexerei beschuldigt werden und durch Folter und Einschüchterung letztlich seine Schuld gestehen.

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