Aberglaube heutzutage

Bereits seit Jahrtausenden existiert Aberglaube in vielfältigen Variationen. Er hat sich trotz des technischen Fortschritts, der rationalen Geistesbewegungen und der Dominanz der Weltreligionen erhalten.

Begriffsfindung Aberglaube

Häufig wird durch das abwertende Wort “Aberglaube” alles bezeichnet, was nicht den religiösen Konventionen der großen Weltreligionen entspricht. Wer also nicht an den Gott einer Weltreligion und stattdessen an andere Mächte glaubt, ist abergläubisch. Daraus wird ersichtlich, wie einseitig die Betrachtungsweise zuweilen ist, zumal die abergläubischen Formen und Praktiken so vielseitig sind, dass sie sich keineswegs ohne Probleme in ein Wort fassen lassen. Letztendlich hängt der Status eines Glaubens von der Akzeptanz und Legitimation ab, d. h. sobald sie von einer Gruppe Menschen sowie der Politik akzeptiert ist, fungiert sie als Religion. So wurden in den letzten Jahrhunderten mehrere Gruppierungen zu Religionen erhoben, die zuerst als Sekten abgetan worden waren. Man sollte auch nicht vergessen, dass das Christentum selbst als kleine und belächelte Sekte “Abergläubiger” angefangen hat.

Viele Meschen vertrauen auf Ihr Horoskop

Viele Menschen vertrauen auf Ihr Horoskop

Formen des Aberglaubens

Die abergläubischen Praktiken und Formen des Glaubens treten in ganz unterschiedlicher Art in Erscheinung. Sei es in banalen Dingen wie dem Glauben an einen Weihnachtsmann, ähnliche “magische” Wesen wie Naturgeister oder auch eine Vielzahl an Göttern – der Glaube an das übernatürliche, unerklärliche “Andere” ist sehr lebendig und nicht selten auch Teil einer Kultur. In kommerzieller Hinsicht am erfolgreichsten sind die Wahrsage-Praktiken: In der westlichen Welt richten viele Menschen ihr Leben beispielsweise nach Horoskopen aus, die in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften zu finden sind. Auch das Kartenlegen (Tarot), das Handlesen oder das Auslegen von Runen oder ähnlichen Symbolen zählt dazu. In Märchen und Volksweisheiten kann man zudem noch heute einen reichen Schatz abergläubischer “Kultur” vorfinden.

Historische und aktuelle Verbindungen zur Religion

Schon bald nach dem Erstarken der Kirche im frühen Mittelalter war diese bestrebt, andere Religionen und Glaubensformen zu verdrängen. Das gelang nicht immer, weshalb die Kirche gezwungen war, heidnische bzw. abergläubische Elemente in den eigenen Glauben zu integrieren. Später, als die kirchliche Gewalt die weltliche überstieg, ließ die Inquisition unzählige Menschen, die nicht konform waren (sogenannte Hexen, Zauberer sowie Protestanten, Katharer usw.) hinrichten. Dabei sind Ähnlichkeiten zwischen abergläubischen und religiösen Praktiken offensichtlich: Noch heute bedienen sich die Weltreligionen bestimmter Rituale, glauben an Heilige und zumindest an eine übernatürliche Wesenheit. Die Übergänge zwischen Magie und Heiligkeit, Aberglaube und Glaube sind hierbei fließend.

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