Esoterik und Aberglaube

Aberglaube und Esoterik werden heutzutage oftmals gleichgesetzt. Tatsächlich jedoch findet der Begriff Aberglaube erstmals im 15. Jahrhundert Erwähnung (abergloube), während der Begriff esoterisch (von altgriechisch ἐσωτερικός: esōterikós: „innerlich“) schon in der Antike bekannt ist. Der Terminus Aberglaube ensteht als Anlehnung an den lateinischen Begriff superstitio und bezeichnet alles vom richtigen Glauben, d. h. dem christlichen Glauben, Abweichende. Die moderne Etymologie nennt “nach, wieder, hinter” als originäre Bedeutung des Wortteils “aber”. Später findet dann eine semantische Verschiebung statt und “aber” kennzeichnet die gegenteilige Bedeutung des jeweiligen zweiten Wortteils. So bezeichnet Aberglaube gewissermaßen einen Anti-Glauben. Die katholische Kirche bezieht sich damit auf alles, was ihren Prinzipien und Doktrinen widerspricht. Dies kann Aspekte eines älteren Volksglaubens aber auch der Naturwissenschaft betreffen, denn Erklärungen zu suchen wird gleich gesetzt mit Nicht-Vertrauen und Unglaube, was wiederum als überheblich und lästerlich gilt. Später dann, während der Zeit der Aufklärung, verliert die Kirche an Einfluss. Und so wandelt sich das Verständnis vom rechten Glauben in ein Verständnis naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten. Aberglaube wird nun als Irreführung der Ratio verstanden. So beschreibt Immanuel Kant Aberglauben als die Neigung, sowohl auf physischer wie auch auf moralischer Ebene vermeintlich Übernatürlichem mehr Vertrauen entgegenzubringen als naturwissenschaftlich Erklärbarem. Moderne Definitionen verstehen unter Aberglauben Überzeugungen und Handlungsweisen, die nicht wissenschaftlich untermauert sind und im Widerspruch zum aktuellen Wissensstand einer Gesellschaft stehen.

Der Begriff esoterisch taucht erstmals im zweiten Jahrhundert n. Chr. auf, und zwar in der Dichotomie mit exoterisch (von innen bzw. von außen betrachtet). Schnell wird esoterisch mit Geheimhaltung in Verbindung gebracht. So ist von einem exoterischen und einem esoterischen Schülerkreis des Pythagoras die Rede. Die esoterischen Schüler kommen in den Genuss, diverse Lehren unter Ausschluss der anderen empfangen zu dürfen. Sie bilden einen inneren Kreis. Ebenfalls schon in der Antike wird esoterisch auch im Zusammenhang mit einem inneren Erkenntnisweg verwendet.

Das Wort Esoterik taucht allerdings erst 1828 in einem Werk über die antike Gnosis auf. 1852 wird Esoterik in einem französischen Universallexikon als Begriff für geheime Lehren definiert. Schnell findet dieser Neologismus weite Verbreitung und bald wird Esoterik mit Okkultismus und Spiritualität in Verbindung gebracht.

Heute wird Esoterik im Allgemeinen als Sammelbegriff für alle metaphysischen Weltanschauungen gebraucht, die nicht oder nur unvollständig von den großen Weltreligionen abgedeckt werden. Meist steht Esoterik für den Weg zu einer erhabenen Erkenntnisstufe und den damit verbundenen Praktiken und Lebensweisen. Esoterik beschäftigt sich mit der spirituellen Entwicklung des Individuums, hin zum ursprünglichen, absoluten Wissen. Bekannte Methoden und Begriffe der Esoterik sind natürlich Tarot (Schicksalskarten), Aura oder Horoskop und oft erweckt sie auch den Eindruck, etwas Mystisches oder gar Magisches zu enthalten. Aber auch zum Beispiel Yoga gehört zur Esoterik und seine Vorzüge und heilsamen Erfolge sind ja mittlerweile unumstritten.

Ein Kommentar

  1. KeinAnfang says:

    Naja aber heutzutage ist Esoterik als “Wissen eines Inneren Zirkels” nicht mehr wirklich zu brauchen. Das zeigen ja die Beispiele. Vielmehr wird die “Esoterik” als Methode verwendet, um als Irreführung der Ratio verwendet zu werden. Dafür sind natürlich sinnlose Begriffe wie Metaphysik nützlich.

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